Eine Geschichte über das Laufen, die Liebe und das Leben

Nach dem Zieleinlauf in Biel drückte Frauke Becker-Kopsch ihrem Lebensgefährten Prof. Dr. Oliver Stoll einen Block in die Hand. „Hier schreibst du jetzt weiter“, sagte die Laufbegeisterte. In den Wochen zuvor hatte sie ihren Oliver genau beobachtet und ihre Wahrnehmungen handschriftlich notiert.

Im Ergebnis wurden Fraukes Aufzeichnungen zum Startpunkt eines außergewöhnlichen Buchprojektes. Denn tatsächlich nahm sich der Sportpsychologe aus Leipzig dem zu füllenden Schreibblock an und beleuchtete aus mehreren Perspektiven seine 100 Kilometer von Biel. Entstanden ist ein E-Book, welches fachlichen Input für jeden Ausdauersportler bietet, einen tiefen Einblick in die Welt eines Athleten liefert und dies um die Perspektive des privaten Umfelds ergänzt – eine Liebeserklärung an das Laufen, die Liebe und das Leben (zum E-Book).

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Prof. Dr. Oliver Stoll in den Armen seiner Kraftquelle (Bild: Peter Detlefsen)

Im Fokus: Prof. Dr. Oliver Stoll

Nach unzähligen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist „Einmal war ich in Biel“ nun ein Ausflug in ein ganz neues Genre. Der 52-Jährige versucht dabei ganz bewusst den Brückenschlag zwischen seiner Fachdisziplin Sportpsychologie und der Erlebniswelt von ambitionierten Freizeitsportlern. In Letztere ist Stoll erst in jüngerer Vergangenheit zurückgekehrt: Nach seinem sehr ambitionierten und leidenschaftlichen Drang nach Bestleistungen in seinen 20ern, reduzierte sich die Anzahl seiner Laufteilnahmen nach seinem 30. Geburtstag deutlich. Im Zuge seiner beruflichen Karriere als Professor für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie und Sportpädagogik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geriet seine Leidenschaft für das Laufen sukzessive in den Hintergrund. Stattdessen engagierte er sich im Aufbau seines in Deutschland immer noch neuem sportpsychologischen Berufsfeldes, der Politik und der aufkommenden Sportart Floorball. Als Sportpsychologe der Wasserspringer des Deutschen Schwimmverbandes erlebte er die Olympischen Spiele 2008 in Peking mit. 2014 startete er zudem die Plattform www.die-sportpsychologen.de. Nach fast zehnjähriger Marathonpause absolvierte Stoll im Herbst 2012 wieder ein Rennen über die klassische Ausdauerdistanz. Mittlerweile ist er zurück im Läuferzirkus und dies mehr denn je – allerdings unter stark veränderten Vorzeichen, wie er in seinem Buch eindrucksvoll erklärt.

Frauke Becker-Kopsch beim Berlin Marathon 2014

Frauke Becker-Kopsch beim Berlin Marathon 2014

Im Fokus: Frauke Becker-Kopsch

Frauke Becker-Kopsch, die Frau an Stolls Seite, ist gleichsam Kraftquelle und Korrektiv. So konterte sie beispielsweise in der direkten Vorbereitungsphase auf Biel eine mehr oder weniger an sich selbst gestellte Frage Stolls, wie lange er wohl für die 100 Kilometer brauchen werde, mit dem Satz: „Ob fünf Minuten hin und her – drauf geschissen!“

Mit der Sporttherapeutin, Lehrerin und Dozentin, die aus Sachsen-Anhalt stammt und einige Jahre in Nürnberg und nahe Donauwörth arbeitete, lebt er mittlerweile in Leipzig. „Dynamisch ruhelos“, beschreibt er sie und bewundert „ihre Neugier und ihre Entschlossenheit ihren Wünschen gegenüber“. Gemeinsam leben sie die Liebe zum Laufen, absolvieren ab und an sogar gemeinsam ausgewählte Läufe und probieren sich – natürlich auf Initiative der Frau im Hause – immer wieder in diversen Sportarten aus. Das Interesse der leidenschaftlichen Sportlerin ist mehr als mannigfaltig. Im Vordergrund steht für das Paar, welches sich mit zwei ihrer Kinder als Patchwork-Familie in ihrer Lieblingsstadt organisiert hat, aber mehr denn je der Genuss am gemeinsamen Sporttreiben. Für Frauke Becker-Kopsch geht es vielmehr um das Erlebnis, denn das Ergebnis. Diese Lockerheit, so sagt Stoll heute, habe ihm in den meisten Phasen seinen Sportlerlebens gefehlt.

„Einmal war ich in Biel“ (zum E-Book) ist nicht zuletzt ein Zeugnis einer Liebesbeziehung. Einer Liebe zum Ausdauersport, zu hoch gesteckten Zielen und ganz individuellem Glück.

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Mathias Liebing

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